Musiktherapie als Weg zur Selbstheilung

Nahezu jeder Mensch hört Musik – damit die Arbeit leichter von der Hand geht, um ausgelassen Feiern zu können oder einfach nur zur Entspannung. Bestimmte Musik kann gezielt Emotionen in uns hervorrufen und unsere Gefühle und Gedanken positiv wie negativ beeinflussen. Diese Erkenntnis nutzt man heutzutage auf vielfältige Art und Weise bei der Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten. Dabei ist die Idee, dass Musik eine therapeutische Wirkung auf die Psyche und die körperliche Gesundheit des Menschen hat, durchaus nicht neu, was antike Riten und religiöse sowie wissenschaftliche Schriften beweisen, die viele Jahrhunderte alt sind. So kann man etwa schon beim römischen Medizinschriftsteller Aulus Cornelius Celsus nachlesen, dass Musikstücke unter Einsatz von Becken und Getöse helfen, Kranke von ihren melancholischen Gedanken abzulenken.

Inzwischen gibt es auch in der Neuzeit zahlreiche „Schulen“ oder Verfahren, die die psychotherapeutische Wirkung von Musik nutzen, um dem Menschen zu helfen. In diese Ansätze fließen Erkenntnisse der Medizin, der Gesellschaftswissenschaften, der Psychologie, der Pädagogik sowie natürlich der Musikwissenschaften mit ein. Genügend Studien haben die Wirksamkeit der verschiedenen Methoden bewiesen, sodass sich die Musik im stationär klinischen Bereich bereits etabliert hat. Ein großer Vorteil der Musiktherapie besteht darin, dass sie eine wirkliche Alternative zur pharmakologischen Therapie mit all ihren Nebenwirkungen darstellt oder auch Menschen helfen kann, für die aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen keine physikalische Therapie ihrer Leiden in Frage kommt.

In Abstimmung mit den Wünschen des Patienten kann sich der Therapeut für eine Einzelmusiktherapie entscheiden, bei der der Einzelne im Vordergrund steht, oder die Gruppenmusiktherapie wählen, um den Bedürfnissen mehrerer Patienten gerecht zu werden. Unterschieden wird zudem zwischen einer eher passiven Form der Musiktherapie, wobei der Patient keinerlei Einfluss auf die Musik hat, die er vorgespielt bekommt, und einer aktiven Musiktherapie, bei der der Betroffene selbst durch seine Stimme oder den Einsatz von Instrumenten an der Musik teilhat.

Die Anwendungsgebiete der Musiktherapie sind äußerst vielfältig, je nachdem, ob sie heilende, vorbeugende oder nachsorgende Wirkung haben soll. Sie kann Patienten mit psychischen oder psychiatrischen Erkrankungen helfen oder bei Behinderungen und sonstigen Beeinträchtigungen eingesetzt werden. Konkrete Anwendung findet sie etwa bei Tinnitus, chronischen Schmerzen, Migräne, Tumorerkrankungen oder Frühgeborenen. Um sich umfassend über die Geschichte, die Möglichkeiten und verschiedenen Institutionen der Musiktherapie zu informieren, wendet man sich am besten an die „Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft“ (www.musiktherapie.de), die größte berufsständische Vertretung für Musiktherapeuten in Deutschland. Dort erfährt man auch, welche Therapeuten es in der Nähe seines Wohnortes gibt.

Ein großes Problem der Musiktherapie stellt nach wie vor die mangelnde Kostenübernahme durch Krankenkassen dar, da sie bei ihnen nicht zu den Regelleistungen zählt. Nur im Rahmen der Kinder- und Jugendpsychologie gibt es Ausnahmen, sofern der entsprechende Musiktherapeut eine Approbation in diesem Bereich besitzt. In allen anderen Fällen sind Patienten gezwungen, die ambulante musiktherapeutische Behandlung in einer Praxis selbst zu zahlen. Wenn sich die Preise etwa am Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker orientieren, fallen Kosten von 10,- € pro 10 Minuten Therapie an. Wer sich nicht sicher ist, ob diese Heilmethode die richtige für ihn oder sie ist, sollte am besten einen Therapeuten aufsuchen und sich im direkten Gespräch beraten lassen.